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Peter Shaffer: Amadeus


Jesteburg


Über den Autor

Peter Shaffer wurde 1926 in Liverpool geboren. Er arbeitete in einer New Yorker Bibliothek und als Musikkritiker bei einer englischen Zeitung. 1958 wurde er mit seinem ersten Theaterstück > Fünffingerübung < bekannt. Weitere Stücke:  > Hören Sie zu, geben Sie acht <;  > Komödie im Dunkeln <; > Equus <.  > Amadeus < wurde 1979 am National Theater in London uraufgeführt, die Deutschsprachige Erstaufführung fand 1981 am Wiener Burgtheater statt. Weitläufig bekannt wurde < Amadeus < durch den gleichnamigen Film den Milos Forman in den 80er Jahren inszenierte.


Schloss Wiligrad, Schwerin


Gedanken zum Stück

Als Peter Shaffers Stück AMADEUS am 2. November 1979 im National Theatre in London uraufgeführt wurde, gingen die Meinungen darüber weit auseinander, gab es doch nicht wenige Stimmen, die Shaffers Amadeus – Figur als „ überzeichnet“ verurteilten. Unmöglich konnte dieser Mozart, dieser flapsige Tölpel, der miauend auf dem Boden herumspringt und dem Fäkalausdrücke allzu leicht über die Lippen kommen, das angebetete Wunderkind, ja das Genie Wolfgang Amadeus Mozart wiederspiegeln. Die Mozart-Gemeinde war entsetzt. Shaffer war es mit einem Schlag gelungen, die „ Devotionalie“ Mozart vom Sockel der Anbetung und Vergötterung zu stoßen. Mozart menschelte plötzlich. Das war befremdlich und bedeutete Aufforderung zu neuer Annäherung. Zu Beschäftigung mit Quellen und Briefen, in denen die Bilder Shaffers doch tatsächlich so zu finden sind, natürlich unter Berücksichtigung der künstlerischen Freiheit des Autors.

„ Mozart“ hat Will Quadflieg mir einmal gesagt, als er sich gerade auf die Rolle des Salieri am Hamburger Thalia - Theater vorbereitete, „ Das kommt direkt von oben und wir müssen damit fertig werden „  Dabei hielt er die Hände über den Kopf und öffnet die Handflächen wie eine Lotusblume.

Damit hatte er mir die Prämisse des Stückes für immer ins Hirn gesenkt. Genie und Mittelmaß. Wir „ müssen essen, was Gott uns gibt.“  So viele Jahre später nun mache ich mich also auf die Suche nach „ meinem“ Mozart und nach „ meinem“ Salieri.

Können wir diesen Menschen Mozart überhaupt be-greifen? Ein Gehirn, das die komplexeste Musik fertig im Kopf hat, um sie „ nur“ noch niederschreiben zu „ brauchen“ oder zu „ müssen“, „Abzuschreiben“ wie es bei Shaffer heißt?  Wie groß muß die Sehnsucht gewesen sein, sich wenigstens für Momente von diesem Druck zu befreien. Einen Moment loszulassen, die eigene Musik in sich selbst zu übertönen, um sich zu spüren, als Mann, als Mensch. Wie anders könnte sich diese Sehnsucht ausdrücken, als laut und in ihrer Art mindestens so extrem, wie seine Musik? Einmal nicht über den Geist, sondern über den Körper, über Albernheiten. Nicht reflektierend, immer handelnd. Ein Gehetzter, eine Kerze die an beiden Seiten entzündet wurde und folgerichtig vor der Zeit verglüht. Aber einer, der um seine Einzigartigkeit wusste oder zumindest  ahnte. Der erst zu rebellieren begann, als das System seiner Kunst Fesseln anlegte. Einer, der ganz seiner Welt verhaftet war und sie nach seinen ureigensten Bedürfnissen wahrnahm und nutzte. Ein in allem, in seiner Musik, in seinem Verhalten Irritierender... Fremdbestimmt von Gottes Gnaden....


Hamburg, Epiphanienkirche