Grußwort zur Premiere von

„Empfänger unbekannt“

im Heimathaus Jesteburg am 15. Februar 2008 in Jesteburg

Monika Griefahn

Mitglied des Deutschen Bundestages

Kultur- und Medienpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion

Ministerin a. D.

 

 Liebe Loretta Wollenberg,

liebes Ensemble der Jesteburger Kammerspiele,

liebe Kulturfreundinnen und Kulturfreunde,

 

als ich den Infozettel für die Premierenveranstaltung „Empfänger unbekannt“ gelesen habe, ist mir sofort das packende Zitat  aufgefallen:

„Worauf es ankommt,

ist, dass zukünftige Generationen von der Vergangenheit lernen,

und ein besseres Morgen gestalten!“

Ich finde, ein besseres Motto für die Jesteburger Kammerspiele hätte man kaum finden können!

 

Denn das Thema Nationalsozialismus und seine menschenfeindliche Ideologie haben auch mehr als 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges nichts an Aktualität einbüßt. Leider, muss ich Ihnen sagen! In der letzten Zeit häufen sich Übergriffe auf Menschen nicht-deutscher Herkunft. Im vergangenen Jahr haben uns die traurigen Vorfälle im sächsischen Mügeln, wo eine Hetzjagd auf indische Mitbürger veranstaltet wurde, erschüttert. Solche abscheulichen Taten dürfen wir nicht tolerieren! Nur allzu häufig wird das Problem Rechtsradikalismus als ein ostdeutsches Phänomen abgestempelt. Das halte ich für schlichtweg falsch und sehr gefährlich. Denn Nazis machen vor unserer Tür nicht halt! Das hat uns der NPD-Aufmarsch in Meckelfeld Ende Januar leidlich vor Augen geführt.

 

 Ich finde es sehr bedauerlich und zugleich besorgniserregend, dass sich junge Leute von rechtsextremistischen „Rattenfängern“ einfangen lassen und empfänglich für Gewalt verherrlichende und rassistische Hetzparolen sind. Die historische Aufarbeitung des Zweiten Weltkrieges, der Nazi-Verbrecher und der Kampf gegen Extremismus und Intoleranz, müssen konsequent gegen Rechtsradikalismus, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit vorgehen. Aber dafür kann nicht Politik alleine sorgen. In der Mitte der Gesellschaft brauchen wir  Toleranz und und Zivilcourage von jedem!

 

Mit Ihrem privaten und gesellschaftlichen Engagement leisten Sie, liebes Ensemble einen wichtigen Beitrag, um das Gedächtnis wach zu halten, um jungen Menschen die Schrecken des Nationalsozialismus vor Augen zu führen. Daß Kunst und Kultur ein ganz zentraler Bestandteil von Aufarbeitung der Geschichte sind,, zeigen Sie mit dem Theaterstück "Empfänger unbekannt" und das finde ich wirklich ganz wunderbar!

 

Ich wünschen alle Beteiligten und der Initiatorin für den Premierenabend viel Erfolg und wünsche Ihnen allen einen eindrücklichen Abend.

 

Mit freundlichem Gruß

     und ToiToiToi

                                         Monika Griefahn



Sehr geehrtes Publikum,

 

 Mit dem Theaterstück in Briefen der Amerikanerin Kathrine Kressmann Taylor

„ Empfänger unbekannt „  möchten wir einen kleinen Beitrag leisten um daran zu erinnern,

 

daß unser Alltag uns täglich aufruft Toleranz und Miteinander zu üben. Fremdem gegenüber, das uns manchmal einfach nur stört im routinemäßigen Ablauf unserer Gewohnheiten, manchmal aber auch bedrohlich erscheint. Wer kennt es nicht. Parteinahme oder Stellungnahme können unangenehme Folgen haben. Schnell sehen wir uns selbst als Außenseiter oder gar angegriffen,

 

von Vorgesetzten, von Freunden und Bekannten.

 

Unser Miteinander ist ein Mikrokosmos, um dessen demokratisches Gefüge wir jeden Tag ringen müssen.  Es ist unser Aller Übung und weiß Gott... nicht immer leicht.

 

„ Empfänger unbekannt „ erzählt in Briefform einfühlsam und prägnant, wie das schleichende Gift der nationalsozialistischen Ideologie eine Freundschaft zerstört und ihre Opfer fordert, weil sich durch die neuen Vorzeichen des Miteinander plötzlich Gräben auftun und zwei Freunde zu Feinden werden läßt.  Eine furchtbare Geschichte.

Warum handelt der eine so? Warum reagiert der andere so? Könnten wir sagen, wie wir reagieren würden?  Die Schuldfrage ist nicht zu klären.

 

Uns bleibt nur, wach zu sein für das, was um uns herum und mit uns geschieht. So ist „ Empfänger unbekannt „ nicht nur „ schon wieder“ ein Stück über das DRITTE REICH, es ist viel mehr.

 

Es zeigt uns, wie zerbrechlich unsere Freundschaft zu unserem besten Freund sein kann. So werden wir mit diesem Stück auf Wanderschaft gehen. In vielen Schulen zu Gast sein, in Jugendorganisationen usw.

 

WIDER DAS VERGESSEN und FÜR DAS TÄGLICHE ERINNERN

 

Für das Ensemble der Jesteburger Kammerspiele: Loretta Wollenberg



Kressman-Taylor: Empfänger unbekannt

Die Kammerspiele GuntherMalzacher als freies Ensemble haben es sich zur Aufgabe gemacht, Theater im ländlichen Raum Menschen zu öffnen, die aus unterschiedlichen Gründen selten Zugang zu etablierten Theatern finden.

 

Unser neues Stück, „ Empfänger unbekannt „ von Kressmann-Taylor, erschienen USA 1938,  erzählt in Briefform einfühlsam und prägnant, wie das schleichende Gift der nationalsozialistischen Ideologie eine Freundschaft zerstört und ihre Opfer fordert.  Dennoch ist „ Empfänger unbekannt „ nicht nur „ schon wieder „ ein Stück über das DRITTE REICH, es ist viel mehr. Es zeigt uns, wie zerbrechlich  zwischenmenschliche Beziehungen unter bestimmten Vorzeichen und äußerem Druck sein können.

 

So möchten wir unser Zielpublikum im Besonderen um Schülerinnen und Schüler ab Klasse 9 erweitern und auf Wanderschaft gehen. Die Idee ist es,  in Schulen und Jugendorganisationen zu Gast zu sein. Erste Erfahrungen mit 5 Vorstellungen in der Realschule Meckelfeld haben gezeigt, daß sich der unmittelbaren Theatererfahrung kaum ein Schüler entziehen kann, sodaß das Gesprächsangebot im Anschluß zu regem Gedankenaustausch und Diskussion führte. Es macht uns Mut, unseren Weg weiter zu gehen.

 

 WIDER DAS VERGESSEN und FÜR DAS TÄGLICHE ERINNERN

 

 Mit freundlichem Gruß

                                      Ihre

                                              Loretta Wollenberg