Geesthsedere leuchtete

copyright Loretta Wollenberg

Seite 41 - Seite 53

 

     An diesem 31. Dezember des Jahres um 23 Uhr, 58 Minuten und 23 Sekunden stand Hinnerk Meyer auf dem Balkon seines Reetdach gedeckten Ständerfachwerkhauses und ärgerte sich.

 

     "So´n Schiet aber auch", fluchte Hinnerk, wischte mit einer schwungvollen Handbewegung die schulterlangen, blonden Locken aus dem Gesicht und zog aus Gründen der Erkältungs-Prävention die Kapuze seines dunkelblauen Troyer-ähnlichen Pullovers über den Kopf.

 

     "Da greift man so tief inne Tasche und nu das." Er zog die Kapuze fest zu. "Sieht der Lütte doch gar nich´, wenn das da oben ankommt und aufgeht. Feuertöpfe in grellem Silberflimmer, durchzogen von roten Kometen, die nach dem Schuss mit lautem Knall durch den Himmel sausen. Hat der Verkäufer gesagt. Steht auch auf der Packung. 69.80! Einer! Sieht der Lütte doch gar nich. So´ n Schiet aber auch."

 

     Hinnerks Frau Swantje - Marie war kurz nach ihm auf

 den Balkon getreten und hatte den gemeinsamen Filius, dick verpackt, auf ihrem Arm. Lasse war an den viel zu schnell vorüber geflogenen Weihnachtsfeiertagen zwei Jahre jung geworden und Hinnerk wollte 'dem lütten Schietbüdel' zum ersten Mal zeigen, was für den stolzen Papa zu einem richtigen Sylvester gehörte.

 

   " Knallen und leuchten muß es. So gehört sich das. Das kann der Lütte gar nicht früh genug mitkriegen", hatte er aufgeregt zu Swantje - Marie gesagt, bevor er einige Tage zuvor extra einen Urlaubstag in Anspruch genommen hatte, um in die nahe, noch nördlicher gelegene Großstadt, nach Hamburg, zu fahren und etwas Besonderes, etwas ganz Besonderes zu besorgen. Etwas richtig Vernünftiges sollte es für den denkwürdigen Anlaß schon sein. Auf keinen Fall so ein billiger Böller-Mist aus dem Supermarkt. Schließlich ging es hier um Tradition. Darauf hatten schon Hinnerks Papa und davor Papas Papa geachtet. Der richtige Wums zu Sylvester, das war Ritual bei den Meyers. Der richtige Wums, das machte schon früh einen richtigen Kerl aus einem Meyer. Das war so, seit Hinnerks Familie hier in Geesthsedere eine der ersten Bauernstellen belegte. Seit fast 450 Jahren wurde bei den Meyers nachweisbar an diesem Tag Krach gemacht. Wohl weniger wegen diesem Papst, wie Hinnerks Opa immer wieder sinnierte, wohl eher wegen irgendeinem Kriegsgott aus Urzeiten, der in den Wintermonaten herumwütete. In der Nacht zum 31. Dezember sollte er besonders viel Unheil anrichten. Also haben die Meyers Krach gemacht. Mit Pött, Pann´ und allerlei Werkzeug, oder sie zündeten alte Holzräder an, die sie über die Wege rollten. Nachweisbar. Dafür wurde die umfangreiche Familienchronik der Meyers inzwischen in einem Safe in der Bank ihres Vertrauens gehütet. Irgendwann hieß es dann Sylvester! Ob da nun ein Papst gestorben ist oder nicht, das war den Meyers in der Nordheide schnurzpiepe, wie Hinnerks Großvater immer sagte. Schnurzpiepe. Hauptsache Krach, damit die Scholle vor Unheil bewahrt wurde. Das hatte Papas Papa schon von seinem Papa und Hinnerks Papa eben von seinem Papa und Hinnerk hatte es von seinem Papa und so sollte auch Lasse heute von seinem Papa gezeigt bekommen, wie das ist, mit dem richtigen Wums und den richtigen Kerlen, bei den Meyers.

 

Aus der Nordheide.

 

Und nun?

 

Und nun dieser Nebel, der nicht nur die Superrakete aus der Großstadt unbemerkt in sich einatmen würde, sondern das ganze örtliche Sylvesterfeuerwerk überhaupt. Nichts würde zu sehen sein. Wenigstens dieses Übel teilte Hinnerk mit den übrigen Einwohnern des Ortes. Mit großer Wahrscheinlichkeit des gesamten Landkreises. Aber sollte ihm das Trost sein?

 

     "Nächstes Jahr ist Lasse schon drei Jahre, da wird

 der Eindruck ganz anders sein, als jetzt mit zwei,"

 jammerte Hinnerk vor sich hin. "Da geht das doch schon los, mit dem Intellekt und so. Mit zwei ist das nur so ein Gefühl, das man mitnimmt, so durch den Bauch. Das ist ganz was anderes. Das ist wichtig. Für die Tradition. Das kann doch das Ende sein. Für die Meyers," hatte er Swantje-Marie am frühen Abend erklärt. Vielleicht ließen sich wenigstens ein paar kaum definierbare Farbwechsel erhaschen, die dem Dickicht der Nebelschwaden für Sekunden ein geringfügig Angst befreiteres, farbiges Aussehen verleihen würden. "Das wär´ doch schon etwas, so für einen ersten bleibenden Eindruck."  Aber auf das strahlende, spritzige Feuerwerksspektakel, das Hinnerk seinem Lasse bescheren wollte, bestand keinerlei Hoffnungsschimmer. Damit galt es für alle Einwohner des Landkreises, einschließlich Familie Hinnerk Meyer, sich abzufinden.

 

   "Noch dreißig Sekunden", stellte Swantje - Marie sachlich fest. Sie hatte ihren Blick entschlossen auf den laufenden Braviafernseher, einem Weihnachtsgeschenk von Hinnerk, LED, Energieeffizienzklasse A+, darauf hatten sie umweltbewußt geachtet, geheftet, um den großen Augenblick des punktuellen Jahreswechsels nicht zu verpassen. Der Zeiger der Senderuhr schob sich mit einem leisen Klack -- Klack -- Klack  unaufhaltsam vorwärts.

   "Ist doch egal." Sie knuddelte Lasse, der es geschehen

 ließ, obwohl seine ganze Konzentration der weißen Wand vor ihm gehörte,  gegen die er starren Blicks seine großen, kugelrunden Kleinkindaugen gerichtet hatte und beharrlich versuchte, mit seinen fleischigen Händchen ein Stück dieser seltsamen weißen Materie zu erhaschen.

     "Dann hört der Lütte eben nur den Knall, aber nu bist Du extra in die Stadt gefahren, also: Hast Du Feuer?"

   "Klar doch. Na dann, wenn Du meinst. Und trotzdem:

So´ n Schiet aber auch."

   "Ich meine. Noch vierzehn Sekunden. Guck mal Lasse, was

der Papa da macht. Paß mal auf. 5-4-3-2-1- Prost Neujahr."

   "Prost Neujahr!" grölte Hinnerk aus Leibeskräften in die Nacht hinaus. "Prost Neujahr!" Er hatte den großen Moment tatsächlich auf den Punkt gelandet.

 

     "Liebe Zuschauer. Wir freuen uns, daß Sie sich entschieden haben, den Jahreswechsel mit Heide-TV zu begehen. Es ist 0 Uhr und 30 Sekunden. Prost Neujahr. Neben dem Neuen Jahr hat auch die Geisterstunde begonnen. Hoffen wir, daß der Nebel, der uns Heidjer seit heute früh gefangen hält, keine bösen Überraschungen bereit hält. Bleiben Sie bei uns, wir bringen Sie sicher durch Nacht und Nebel. Informieren Sie uns live über Ihre Beobachtungen in der ersten Geisterstunde des Jahres."

 

     "Geisterstunde, blöde Kuh. Wer denkt nu an Geister. Hier spukt heute keiner. Nich wenn Hinnerk Meyer Sylvester feiert. Da ham die Schiß inne Büx, deine Geister. Prost Neujahr." Hinnerk Meyer griff nach dem Feuerzeug. Gemeinsam mit dem Einsatz aller, am Neujahrsläuten beteiligten Glocken, reihte sich sein Edelfeuerwerksgeschoss zischend in das alljährliche, landauf, landab losheulende Neujahrs-Begrüßungsritual ein. Mit tosendem Pfeifen und silbrigem Schweif erstürmte es den Himmel, um kurze Zeit später mit einem ohrenbetäubendem Knall zu explodieren und so die roten Kometen freizugeben.

   "Wauhhh!", schrieen die jungen Eltern wie aus einem

Munde, sichtlich glücklich, daß das Dickicht vor Augen

großzügig einem Moment der Einsicht nachgab, um Hinnerks väterlichem Plan doch noch eine Chance einzuräumen.

 

     Lasse riss quietschend und grölend seine Ärmchen in die Höhe, um sich mit den kleinen Händen die Ohren zuzuhalten. "Bum", schrie er laut " Bum. Bum. Bum. Bum. Bum. Bum Ooooooooooohhhhhhhh. Mehr, mehr, mehr..." Sein Quietschen und Strahlen veranlaßte den stolzen Vater mit seinem Filius zu prahlen.

   "Siehst Du meine Süße, ein richtiger Meyer, ein

 richtiger Meyer, das haben wir gut gemacht. So kann es weitergehen mit den Meyers. Das haben wir gut gemacht, min Söten. Und nu wissen wir ja, wie es geht... Da sind wir

 nächstes Jahr vielleicht schon Vier." Er schürzte die Lippen, um seiner Swantje - Marie einen dicken Kuß aufzudrücken, als es noch einmal knallte, noch lauter und noch einmal und noch einmal.

     "Boooah, Kanonenschläge, aber was für gewaltige Dinger. Wo gibt es die denn? Na dann! Nu aber ich erst noch mal," unterbrach Hinnerk seinen zärtlichen Annäherungsversuch. "Na, Leute und Geister, dann paßt ma auf. Nu kommt Hinnerk Meyer. Augen und Ohren auf."

     Swantje - Marie reagierte nicht. Nicht auf den Süßen, den Hinnerk ihr gerade noch aufschmatzen wollte, auch nicht auf Hinnerks Worte. Betäubt, angstvoll blickte sie gen Himmel und presste das Kind eng an sich. Hinnerk, der ganz in seinen zweiten Abschuss versunken war, bemerkte nichts von Swantje - Maries Stimmungswechsel. Fachmännisch entzündet, raste Hinnerks zweite davon. Verschwand hinter einer bedrohlich gierigen Nebelschwade, tauchte silbrig glänzend kurz wieder auf und schüttete mit dem ersehnten, erlösenden Wums irgendwo hoch oben die rotglühenden Kometen aus, die sich aber anders als bei Nummer eins lediglich durch eine leicht rötliche Verfärbung hoch oben am Himmel erahnen ließen. Hinnerk folgte gebannt ihrer Bahn. "Das hat sich doch gelohnt. Ganz schön viel Wums für´s Geld. Wenigstens das. Ich hätt´ da noch eine, aber dann is´ Schluß, der Rest is´ nur so, - wie immer..."

   "Ne, wart mal", hauchte Swantje - Marie tonlos und

zupfte ihn mit dem freien Arm an seinem Kapuzenpullover.

"Wart mal, wart mal, hörst Du was? "

     Hinnerk hielt für den Bruchteil einer Sekunde inne.  

"Ne, nu´ is alles still. Warum das denn nu wohl? Soll doch

gerade richtig losgehen."

   "Eben, ist doch komisch. Kein Piepmanscher, kein Böller, kein Kanonenschlag, nichts zu hören. Alle haben aufgehört. Is´ doch seltsam. Was hat´n da so geknallt? Das waren keine Kanonenschläge."

 

   "Ach nee? Und was dann wohl? Ne Bombe? Heult doch nich´ ma ne Sirene, mein Schieter. Oder hörst Du was?"

 

Beide hielten einen Moment inne und lauschten angestrengt in die Stille hinein. Tatsächlich schienen alle knallwütigen Einwohner des Ortes in einer Schrecksekunde den ungewöhnlich ohrenbetäubenden Phänomenen nachzuspüren, die sich in den lautstarken, heulenden und kreischenden Klangteppich eingemischt hatten. Es herrschte für einen Augenblick Stille. Eine abrupte Abwesenheit jeglicher Geräusche. Totenstille. Eine plötzlich wahrnehmbare Lautlosigkeit. - Dieses magische Abbrechen aller orchestraler Stimmen über mindestens einen Takt, das man in der Musik eine Generalpause nennt.

 

- 1 - 2 - 3 - 4 - 1 - 2 - 3 - 4 -

 

Im Fluss der Musik erscheint eine Generalpause plötzlich und auffallend. Diese Momente, wenn nichts mehr ist, die die Spannung und Erwartungshaltung beim Zuhörer umso mehr erhöhen, um sie kunstvoll einem ungeahnten Höhepunkt zuzuführen. Momente, die sensiblen, geübten Hörern die Gänsehaut über den Rücken laufen lassen. Berühmt unter Dirigenten die Frage der Generalpause vor dem Einsetzen des Erlösungsmotivs am Ende von Wagners Götterdämmerung.

 

Wunderbare Erlösung nach einem langen, tiefen Atemzug.

 

 - 1 - 2 - 3 - 4 - 1 - 2 - 3 - 4 -

 

Ein umwerfender Effekt, der Musikern, Dirigenten und

Publikum über Generationen so sehr vertraut geworden ist,

 als daß man leichten Herzens auf den emotionalen Kick verzichten möchte. Ein kollektives, atemloses Innehalten, das das Verlangen nach Erlösung auf´s Äußerste treibt. - Bei Wagner jedoch gar nicht geschrieben steht.

 

Tradition - Gewohnheit - Mode.

 

Generalpause -

 

süchtig machender Kitzel. -

 

Als einen solchen Moment empfand die musisch ganz und gar unbewanderte Swantje - Marie das angestrengte Hineinhören in die vom Nebel noch unterstrichene, spannungsgeladene Geräuschlosigkeit, die ihr einen Schauer über Rücken und Arme jagte. -

 

     Die Bürger des Ortes ließen sich die Begrüßung des neuen Jahres nach drei zählbaren Takten - 123412341234 - weder längerfristig vernebeln, noch waren sie anderweitig bereit, sich ihre Knallerei verderben zu lassen. Zunächst zögerlich, schnell aber gewohnt selbstbewußt, nach kollektiver Atemlosigkeit auch irgendwie erlösungshungrig, flitzten die Sylvestergeschosse wieder gen Himmel. Nur Hinnerk und Swantje - Marie starrten weiterhin in die, sich langsam gelb färbende Nebelwand vor ihnen, als der anschwellende, typische Lärm des Sylvesterfeuerwerks bereits wieder alle anderen für sich gewonnen zu haben schien.

 

   "Wer is dat denn. Siehs´ du die auch? Da löppt doch was

den Platz runter."

   "Seh´ ich nich´." Swantje-Marie kniff ihre Augen

zusammen, "meinst du die da? Ja jetzt seh´ ich sie auch, sind zwei oder? Laufen rüber zu den Büschen an der Bücherei."

   "Hast Du auch gesehen, oder? Hast Du auch gesehen? Ich

spinn´ doch nich´. War da nich´ schon einer vorweg? So huiiiii. So eher geflogen. Wie ´ne Fledermaus oder so? Da war doch schon einer vorwech. Wat machen die denn um die Zeit noch an´ n Rathaus? War doch kein Licht zu sehen. Hast Du Licht in´ n Rathaus gesehen? Is doch keiner rausgekommen? Kanns´ Du die erkennen? Wer is´ dat denn?"

   "Bei dem Nebel? Sind ja nur Schatten, ein großer und ein kleinerer. Bißchen pummelig. Oder? Wer is´ das denn? Komisch oder? War da noch einer? Glaubst Du?"

     Noch einmal erschütterte eine gewaltige Explosion,

die den gerade noch von Hinnerk bewunderten, vermeintlich exzeptionellen Kanonenschlag weit in den Schatten stellte, den kleinen Heideort. Schwarzer Qualm und züngelnde Flammen kämpften sich in Sturmeseile durch das Fachwerk-Gebälk des historischen Rathauses, tanzten einen kurzen, wilden Reigen mit den geschnürten Reetbündeln des Daches, um sich schließlich in zügellosen Gebärden anzuschicken, die Dunkelheit der Nacht zu erobern und den beharrlichen Nebel in seine Schranken zu weisen oder sich in ekstatischem Wahn mit ihm zu vereinen. In rasender Geschwindigkeit schossen die Flammen in den Himmel, der sich hinter dem dichten Nebel tief schwefelgelb färbte und die letzten verglühenden roten Kometen endgültig verschluckte. Eine gewaltige Rauchwolke behauptete sich wabernd neben dem dichten Nebel.

     Hinnerk und Swantje - Marie waren verstummt, wie mit

ihnen nochmals der Großteil der Einwohner. Doch niemand unter ihnen war dem Geschehen so nahe, wie die jungen Eltern. Ihr Standort auf dem Balkon ihres Hauses, das am unteren Rande des leicht ansteigenden Platzes in der Ortsmitte stand, um den herum sich außer Hinnerks, von den Urahnen ererbtem, ehemaligem Bauernhaus, auch die historischen Fachwerkhäuser mit den beiden Rathäusern, der Gemeindebücherei, das örtliche Heimathaus, sowie die alteingesessene Drogerie reihten, war der einzige Platz in der ersten Reihe. Niemand, außer ihnen, stand der sich anbahnenden Katastrophe so direkt gegenüber. Selbst die hochgewachsenen Eichen standen so gereiht, daß sie Hinnerk und Swantje-Marie den direkten Blick auf das ältere, am höchsten Punkt des Platzes gelegene, Rathaus, in dem sich das Büro des Bürgermeisters, Sitzungssaal und die gemeindeseitigen Ämter befanden, erlauben würden, wenn nicht, wie ausgerechnet in dieser folgenschweren Nacht, der dichte Nebel Regie führen würde. Swantje - Marie tastete mit der freien Hand nach Hinnerks erdendem, Halt gebendem, festen Griff.

 

   1 - 2 - 3 - 4 - 1 - 2 - 3 - 4

 

Spannungsvolle, kollektive Stille hatte sich nun in unheilschwangerer Ahnung nochmals für Sekunden über den 7000 Seelen-Ort gelegt. Hier und dort zischte und piepte zunächst noch ein einsamer Piepmannscher. Jugendliches Lachen drang von irgendwo weit entfernt leise herüber. Dann wieder Stille. Nur Lasse, der für einen Moment andachtsvoll diese bisher eindrucksvollsten Ereignisse seines jungen Lebens an sich vorüber ziehen ließ, durchbrach das Schweigen, quietschte plötzlich hoch vergnügt drauf los und nahm alle Kräfte zusammen, um sich aus dem festen Griff der Mutter zu befreien.

   "Arm, Arm, Arm" brabbelte er fasziniert und schien beglückt, in der Lage zu sein, mit diesem kleinen Wörtchen seiner Gefühlslage Ausdruck zu verleihen. "Arm," strahlte

er, "Arm, Arm," lachte und quietschte.

   "Nein, Lasse, jetzt nich! Du bleibst jetzt schön auf

Mamis Arm."

   "Oh manno, da ham die aber Glück gehabt eben. So´n Leichtsinn. Wenn das ne Sekunde eher... Gar nich auszudenken."

   "Vielleicht war das gar kein Glück, Hinnerk."

   "Kein Glück? Aber hallo. Die hätten tot sein könn´! Was soll das denn sonst gewesen sein?"

   "Ich meine ja nur so."

   "Man Swannie, was sagst Du denn da. Hast doch noch gar nix getrunken, min Söoten."

   "Arm, Arm, Arm," krakeelte der Kleine und gestikulierte so stark, daß seine Mutter ihn kaum noch mit einem Arm halten konnte. Fast wäre Lasse ihr heruntergerutscht, hätte Hinnerk nicht seinen festen Griff um ihre Linke geistesgegenwärtig gelockert und die Hand freigegeben, als ihr Blick beim Kampf mit dem Kleinen auf den Boden des Balkons fiel.

     "Hinnerk, Hinnerk, nimm das weg. Nimm das sofort weg, das da, das da!" kreischte sie.

   "Spielen," schrie Lasse, "Arm spielen."

     Es war das letzte, was Swantje - Marie hörte, bevor ihr schwarz vor Augen wurde und ihr Hinnerk das Söhnchen noch im letzten Augenblick seiner zu Boden gleitenden Frau entreißen konnte. "So ne Scheiße, aber auch, so ne Scheiße aber auch, wat ist dat denn?  Wo kommt der denn nu her? Das verliert man doch nich´ einfach mal so. Das ist doch nich´ Sylvester oder Neujahr oder so. So doch nich´. So´n Schiet aber auch. Manno!"

     Hinnerk Meyer war überfordert. Unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen, unfähig sich zu rühren. Unfähig sich den akuten Anforderungen zu stellen, die das Leben ihm in diesem Moment übertrug.

   "Ohhhhhhhhhhh, oohhhhhhhhhh!" Lasse Meyer klatschte mit seinen kleinen, fleischigen Händchen dem Schauspiel, das sich vor seinen Augen abspielte, begeisterten Beifall.

   "Papa, ohhhhhhhhhhhhhhhhh Arm."

   Hinnerk wußte nicht, wie - wo - was. Er starrte abwesend in die Nacht. Finsteren Blickes, mit hageren Wangen, das Gesicht unter der Kapuze seines Pullovers verhüllt. Er drohte zu versinken, der eigenen Verklärung nah´. Das, obwohl ihm bisher jede Form derlei übersteigert religiöser Empfindung diametral entgegenstand. Überwältigt von der Faszination, die das wilde, zügellose Spiel der Flammen auf ihn ausübte, war er unfähig, zu reagieren. Längst hatten sie in ihrer Gier das historische Rathaus erobert. Fachwerk und Reetdach, die robuste Innenausstattung, vor 150 Jahren von den Altvorderen aus der letzten 1000jährigen Eiche des Ortes gezimmert, ungesicherte Akten und Papiere, all das war kaum in der Lage länger als wenige Augenblicke dieser Urgewalt ihren  Widerstand entgegen zu setzen. Was für ein Festmahl für diesen orgiastisch hin und her springenden Wirrwarr des gewaltigen Feuers, das siegesbewußt dem Himmel entgegenstrebte. Höher und höher. Und immer höher.

***

 

Seite 80 - Seite 86

 

   Der alten Liese, die in der rücksichtslos tobenden und taumelnden Masse unterzugehen drohte, war die Verzweiflung anzusehen. Sie weinte und schrie vor Hilflosigkeit, boxte mit der einen ihrer dürren Fäuste gegen die Menge und trieb mit der anderen den Kinderwagen voran. Sie hatte große Mühe sich überhaupt auf den Beinen zu halten.

   "Erika, haben Sie meine Erika gesehen? Sie hat doch im Wagen gelegen. Ich konnte sie nicht festhalten. Laßt mich doch durch. Ich habe Erika verloren. Haben Sie Erika gesehen?" Dabei schrie und flehte sie gegen ihre Mit-Brüder und -Schwestern, die sie nur immer weiter schoben, immer weiter ziellos durch das stürmische Menschenmeer.

     "Wir wollen doch nur nach Hause. Nur nach Hause. Haben Sie Erika gesehen? Ich habe Erika verloren." Liese hatte Angst. Wo kamen plötzlich diese Menschen her? Diese vielen Menschen. Sie war in der Kirche, da war alles noch ganz ruhig. Erika und Marie hatten im Kinderwagen geschlafen. Frau Paster hatte ihr ein Frohes Neujahr gewünscht und es gab noch ein Gläschen Eierlikör im Gemeindehaus. Extra für Liese, während die anderen nächtlichen Kirchgänger sich mit Wein und Sekt zuprosteten. Alle hatten auch Liese ein frohes Neues Jahr gewünscht. Liese war lange nicht so glücklich.  Nach einem viertel Stündchen etwa war sie dann losgezogen, kurz nachdem es einige Male ordentlich laut draußen geknallt hatte und alle sich gewundert hatten, wer denn wohl so laute Knaller abgeschossen hatte. Da hatte Liese sich auf den Weg gemacht, noch ein Ewiges Licht auf den Friedhof ans Grab ihrer Eltern getragen und es angezündet. Für einen Moment hatte sie sich auf die kleine Bank vor der Kirche gesetzt und in den Nebel gestarrt. Manchmal war ein kleiner Funke vom Feuerwerk zu erhaschen, darauf machte sie die Kinder aufmerksam. Sie wollte alles mit Marie und Erika teilen. Sie sollten sich mit ihr über dieses schöne Sylvester freuen. Sie hatte so viel erlebt an diesem Tag. Beim Bäcker hatte man sie eingeladen, sie hatte mit Frau Paster einen Kaffee getrunken, die Berliner hatte sie nicht bezahlen müssen, dann der Gottesdienst in der Kirche! Und überall durfte sie ihren Wagen mit den Kindern mit hinein nehmen. Er hatte Liese viel Glück gebracht, dieser Nebel, der alle anderen nur störte. Trotzdem hatte Liese das Gefühl, die Menschen, denen sie heute begegnet war, waren irgendwie anders, durch den Nebel. Warum? Diese Frage konnte Liese sich nicht beantworten. Ihr fiel keine Erklärung ein. Es war so still an diesem Tag, als ob die Welt in Watte gehüllt war. Alles war versteckt. Liese dachte ein Weilchen darüber nach, ob der Nebel auch selbst ein Geheimnis haben kann, oder ob er Geheimnisse nur verstecken konnte. Daß der Nebel Dinge verbergen könnte, die man erst sieht, wenn er sich aufgelöst hat, darin war sich Liese mehr als sicher.  Aber eigentlich war es ihr auch egal und ganz und gar unwichtig. Dieses Warum. Der Nebel hatte Liese das schönste Sylvester beschert, an das sie sich erinnern konnte. Vor ihm hatte sie keine Angst. Es hatte noch einmal sehr laut geknallt und zögerlich hatte sich Liese aus ihren Gedanken gelöst und sich endgültig auf den Heimweg gemacht. Vom Friedhof den kleinen Hügel zur Strasse hinauf, am kleinen Spielplatz vorbei. Sie hatte durch die großen, hohen Fenster gesehen, daß im Gemeindehaus noch immer Licht brannte und die Gottesdienst - Besucher in kleinen Grüppchen zusammenstanden und plauderten. Vorsichtig hatte sie die Hauptstrasse überquert. Und plötzlich ging alles so schnell. Das Feuer. Die vielen Menschen, die von allen Seiten Richtung Benjamin-Rosenow-Platz zogen und sie mit sich rissen. Das Knallen und Krachen. Die Sirenen der heranrauschenden Feuerwehren. Es fiel Liese schwer, das alles aufzunehmen, zu verarbeiten und zu begreifen. Liese mußte auf die Kinder aufpassen. Niemand nahm Rücksicht auf Liese und ihren Kinderwagen. Ihre Welt war in wenigen Momenten wie ausgewechselt. Die Feuerwehren, die Polizei. Der Lärm. Der Nebel. Sie fand den Weg nicht mehr. Immer wieder wurde sie zurückgestoßen oder das Durchgehen wurde ihr verboten. Sie konnte keine Schritte mehr zählen. Fing immer wieder von Neuem an. Liese hatte jede Orientierung verloren. Auch der Rückweg ins Schutz bietende Gemeindehaus blieb ihr versperrt. Ohne, daß sie es bemerkte, hatte sie Erika in dem Gedränge verloren. Alles war so laut. Lieses Angst wuchs und wuchs und niemand hörte ihr zu. Niemand hatte Erika gesehen. Niemand zeigte ihr den Weg nach Hause. Da war Liese stehen geblieben, einfach stehen geblieben und hatte begonnen, zu schreien. Laut zu schreien. Was sonst sollte sie anderes machen? Wenn man schreit, laut schreit, erschrecken die Menschen manchmal. Nicht immer, aber manchmal. Das wußte Liese aus Erfahrung. Oft tritt dann ein Moment der Stille ein, manchmal wurde Liese dann gehört. In die Stille hineinsprechen. Das war Lieses Waffe, wenn die Not ihr über den Kopf wuchs. Nun stand Liese in dieser trunkenen, taumelnden, lauten Masse Mensch und schrie aus Leibeskräften. Eine starke, große Hand griff plötzlich nach ihr und Liese schrie um ihr Leben. Die Stille, die sie sich wünschte, trat nicht ein.

   "Nein, ich will nicht, ich muß aufpassen, ich muß auf

die Kinder aufpassen. Ist denn wieder Krieg? Was für ein Krieg ist denn so plötzlich? Ich habe Erika verloren. Nein, nein, ich will nicht." Mit der einen Hand den Kinderwagen an sich reißend, schlug sie mit der anderen wild um sich.

     Die starke Hand bugsierte sie kraftvoll und energisch in Richtung eines großen, schmiedeeisernen Gartentores, die andere Hand, genauso stark und kraftvoll, öffnete es und beide Hände schoben nun Liese samt Kinderwagen energisch auf sicheres Terrain.

   "Kann ich auch irgendwie behilflich sein? Ich meine, brauchen Sie Hilfe, ich könnte mich um den Kinderwagen

kümmern.?"

     Christoph warf der Unbekannten einen forschenden Blick zu. Ihm war weder nach Störung noch nach jungen Frauen, die zu viel redeten.

   "Wenn Sie glauben, das leisten zu können. Bitte. - Wenn jemand uns so nett fragt, können wir wohl nicht "Nein" sagen, oder was meinen Sie?" Christoph Mühlbauer schaute die alte Frau fürsorglich an.

     Liese schüttelte erschöpft mit dem Kopf. "Nein, da sagen wir nicht nein," wiederholte sie leise und monoton die Worte ihres Retters und wandte sich zu der jungen Frau, die nun direkt neben ihr stand. Liese starrte ihre beiden Retter an und vergaß weiter zu schreien. In ihrem Kopf begann sich alles zu drehen. Alles schien so weit weg zu sein, so verschwommen und trotzdem fühlte es sich vertraut an. Liese wußte, daß die beiden Fremden ihr helfen würden. Sie war sich ganz sicher. Warum? Es war ihr egal und ganz und gar unwichtig. Dieses Warum. Sie mochte es nicht. Immer wieder begegnete es ihr. Liese wußte, daß die beiden Fremden ihr helfen würden. Sie hatte Vertrauenmgefaßt.

   "Ist denn wieder Krieg? Sind Sie denn gut zu Marie?

Haben Sie Erika gesehen? Ich habe sie verloren. Auf der Flucht. Ich war schon fast bei der Bücherei oben, aber dann mußte ich zurück, da hat es schon gebrannt. Ich durfte da nicht weiter gehen. Ich glaube, das Rathaus brennt. Dann war Erika weg. Ich habe sie nicht festgehalten." Liese verlor den Kampf gegen ihre Tränen, die nun haltlos drauflosflossen.

   "Wenn Sie sich um die Frau kümmern würden?" schaltete sich Christoph Mühlbauer noch einmal ein. "Vielleicht lassen die Bewohner hier Sie beide rein. Ich müßte mich noch bis zur Einsatzleitung durchschlagen. Entschuldigung, Mühlbauer. Ich bin beruflich hier. Also, Kriminalhauptkommissar Mühlbauer. Freut mich, Sie kennen zu lernen." Christoph rang sich jedes Wort von den Lippen ab, war aber durchaus zufrieden mit sich, daß ihm der kleine Small-Talk gelungen war.

   "Zoé, Zoé Mathys. Dann sind wir wohl Kollegen. Ich bin auch beruflich hier. Als Gast sozusagen. Freut mich auch. Dann haben wir unseren ersten gemeinsamen Fall doch ganz prima gelöst, oder?"

     "Auch das noch," dachte Christoph und sagte:

 "Dann sind Sie unser Zuwachs aus der Schweiz? Ich hab´s mir tatsächlich schlimmer vorgestellt. Man hört ja fast nichts."

     Zoé hatte inzwischen ihre Arme um die zitternde, völlig verstörte Liese geschlungen, die unter diesem Schutz allmählich ruhiger wurde. Es war das erste Mal, daß Zoé sich über ihre internationale Schulzeit wirklich freute. Ja, es hatte sie in die Lage versetzt, nicht nur Englisch perfekt zu beherrschen, sondern ermöglichte ihr auch problemlos zwischen Schwyzerdütsch und Schriftdeutsch mit allem Selbstverständnis zu switchen.

   "Mathys? Ich dachte, ich hätte einen anderen Namen gelesen? Elster - Amsel. Oh Gott, entschuldigen Sie. Ich bin manchmal furchterregend unsensibel, sagt meine Frau. Sie hat nicht oft recht, aber gerade wohl doch."

     Zoés Lachen klang hell und frei. Sie genoß diesen Moment. Die schroffe Art des Kollegen Mühlbauer gefiel ihr. Gab ihr Sicherheit und nahm ihr, ohne es zu wissen, eine große Last. Was immer dem neuen Kollegen über die Leber gelaufen war, er versuchte gar nicht erst, Theater zu spielen. Damit hatte sie umzugehen gelernt. Nein, es gab keinen Zweifel mehr. Sie hatte eine richtige Entscheidung getroffen, noch dazu hatte das Schicksal ihr einen höflichen, offensichtlich offenen, wenn auch komplizierten Kollegen zur Seite gestellt. Hätte dieser Anfang erfreulicher und angenehmer sein können?

   "Krähenbühl! Sie meinen Krähenbühl," lachte sie. "Der Name meines Mannes, aber nach der Scheidung nehme ich wieder meinen Mädchennahmen an, also dachte ich, es ist weniger kompliziert, wenn ich mich gleich so einführe..."

   "Krähenbühl, stimmt, so war das. Mathys gefällt mir besser. Mein Gott, schon wieder. Ach, Sie wissen, wie ich es meine oder? Auf gute Zusammenarbeit. Frau Mathys."

   "Ich habe Erika verloren. Ist Sie hier im Garten?"

   "Frau Mathys wird Ihnen helfen, Erika zu finden. Bleiben Sie nur bei ihr. Sie wird sich um Sie kümmern."

   "Sind Sie von der guten Polizei? Sie haben so viel Kraft. Sie haben mich gerettet? Sind Sie von der guten Polizei?"

   "Ja, das bin ich. Ich heiße Mühlbauer. Wie heißen Sie? Wenn wir uns nun kennengelernt haben, ist es doch gut, wenn wir unsere Namen kennen würden?"

   "Haben Sie auch einen Vornamen? Ich kann mir Nachnamen nicht merken. Ich heiße Liese und die Kinder Marie und Erika. Aber Erika habe ich verloren. Können Sie mir helfen. Oh bitte!"

   "Ich heiße Christoph, Liese. Schön, daß wir uns kennengelernt haben. Ich verspreche Ihnen, daß wir alles tun, um Erika zu finden."

   "Ich heiße Zoé, Liese. Wir schauen jetzt mal, wer hier wohnt und ob wir hier bleiben können, bis wir besser durchkommen. Wo wohnen Sie denn, Liese?"

   "In Hamburg, ich wohne in Hamburg bei meinen Eltern. Mit Marie und Erika."

   "In Hamburg? Das ist aber weit? Oder?"

   "Dann muß ich einmal nachdenken. - Das stimmt. Daran habe ich gar nicht gedacht. Hier wohne ich auf dem Osterberg. Birkenweg 8, wie 88, aber nur eine 8."

   "Warten Sie hier auf mich. Ich komme auf jeden Fall

zurück und dann bringen wir Liese heim. Hier... Für den Notfall..." Kommissar Christoph Mühlbauer drückte seiner zukünftigen Kollegin einen Zettel mit seiner Mobil- Nummer in die Hand und war schon im Menschendickicht verschwunden.

   "Katarzyna ist bestimmt zuhause, da bin ich dann auch nicht allein. Wenn Sie mich nach Hause bringen."

Zoé schob Liese sachte durch den Garten zum Haus und drückte den Klingelknopf.

 

***

 

Seite 437 - Seite 445

 

     Das Dorf lag im Wachkoma.

Es war der vierte Tag neuer Zeitrechnung und es schien seinem Sterben unaufhaltsam entgegen zu siechen. Wie ein Narkotikum wirkte der Nebel einem lautstark aufschreiendem Schmerz entgegen. Lähmung und Betäubung hatten sich über das Leben in Geesthsedere gelegt.

 

"SELTSAM, IM NEBEL ZU WANDELN"

 

hatte am Morgen des 4. Januar die zweimal wöchentlich erscheinende Lokalpresse in großen Lettern als Titel gewählt. Kein Bild, kein Artikel, nur diese Worte.

 

"SELTSAM, IM NEBEL ZU WANDELN"

 

rechts unten in dünn gedruckten, winzigen Buchstaben, der Name des Verfassers: Hermann Hesse

     Mancher hatte längst Vergessenes aus dem Bücherregal geholt,- wenn es sein mußte, im Keller nach dem alten Gedichtband aus der Schulzeit gewühlt,- andere, lyrische Verweigerer etwa, hatten im Netz gesucht, oder die Runde der Freunde befragt. Kaum jemanden unter den Bürgern schien es zu geben, der sich nicht angesprochen fühlte oder gänzlich unberührt blieb.

 

"SELTSAM, IM NEBEL ZU WANDELN"

      Hermann Hesse

 

     Mit diesen Worten zur rechten Zeit, öffnete der verantwortliche Redakteur Sebastian Brettschneider den Geesthsederer Bürgern, nicht wenigen unter ihnen ein erstes   Türchen des Verstehens lyrischer Sprache und Inhalte.

     Waren das nicht die einfachen, schlichten Worte, nach denen sie im leisen Gespräch oder allein zu Haus, suchten? 

 

               "SELTSAM, IM NEBEL ZU WANDELN"

 

Gab es auch nur einen unter ihnen, der in diesen Tagen nicht so, genauso, empfand?

     In diesen wenigen Worten fanden sie ihren einenden Mikrokosmos, der sie seit den schockierenden Ereignissen gefangen hielt. Hier fand sich ihre Irritation, ihr Entsetzen, ihr anhaltender Schock, ihre gedämpfte Wahrnehmung, ihr Unverstehen und Unbegreifen, ihre Fassungslosigkeit. Ihr Trost.

 

"SELTSAM, IM NEBEL ZU WANDELN"

 

     Noch etwas hatte Brettschneider mit der Wahl der dichterischen Worte ausgelöst: Unter dem narkotisierenden Einfluß des Nebels, unter dem Tuch der Schmerz dämpfenden Betäubung, begann es, sich sachte zu regen. Zart, still und verhalten tasteten die Menschen nach ihren Nächsten. Es regte sich die Sehnsucht, das Unfassbare zu teilen und über diesen Nebel zu sprechen, den sie begannen, als Mysterium zu begreifen. Nicht nur als Wetterphänomen.

NEBEL.

Dem Wort in dieser Klarheit gegenüber zu stehen, in der es sich in den großen Lettern auf dem Titel der Zeitung präsentierte, erweiterte einen ganzen Radius des Verstehens und Begreifens. Nebel schien so unerwartet viel mehr, als nur Wetter zu sein. Nebel hatte sich in ihre Köpfe gelegt, in ihre Seelen. Seinen Schleier über ihr Leben geworfen. Wie lange schon?

"SELTSAM, IM NEBEL ZU WANDELN".

Die Dichterworte hatten an ihre Türen geklopft und luden zum Spiel um Frage und Antwort.

     War es dem Nebel noch am Sylvestermorgen gelungen, das Dorf mit seinem mystischen Grauen leer zu fegen, so hatte Brettschneider für Auftrieb gesorgt.

     "Florentine, nu ma los. Lernt ihr nicht sowas, auf so ´ne Schauspielschule? So Gedichte aufsagen und so? Nu zeich ma, sach uns das ma auf. Da inne Ecke steht auch noch den Tannenbaum, so als Kulisse, wie in´n Theater. Also, wenn Du das brauchst."

     Als Kriminalhauptkommissar Christoph Mühlbauer das Wimmersche Café Pfiffty - Fifty betrat, war alles bis auf den letzten Platz besetzt. Während er sich um einen Überblick bemühte, winkte Bertram Wimmer und deutete auf eine Lücke, die ihm entgangen war. Oder wurde der Platz für ihn bereitet? Die Menschen waren auf der Suche nach Erkenntnis zusammengerückt. Christoph konnte es nicht entgehen, daß die Art von Atmosphäre herrschte, die Katastrophen oft begleiten. Die Menschen kommen einander nah. Das gemeinsame Überleben verweist Eitelkeiten und Streitereien auf die hinteren Plätze. Bertram Wimmer und sein Team kamen mit dem Kaffeekochen und Kuchenservieren, der sich überschlagenden Bestellungen der Kundschaft, kaum nach. Waltraut Wimmer standen die Tränen in den Augen, die sie sich immer wieder mit den Zipfeln ihrer Schürze wegwischte.

     "Das hat es doch noch nie gegeben. Was ist blos los? Das hat es doch noch nie gegeben. Was suchen die bloß alle? Sie sind so nett und so still. Und so geduldig. Was ist blos los?" Immer wieder grummelte sie die selben Sätze in sich hinein.

     "Komm mal her, mein Waltraut. Ist doch alles gut. Mußt Du doch nicht heulen, wie so ein Schlosshund? Was seid ihr alle rührselig."

     "Es ist nur, es ist so schön. Wie früher. Früher war das doch immer so. Weißt Du noch? Da waren sie alle noch so, so menschlich. Was ist dann passiert? Früher, da sind sie noch alle aus ihren Löchern gekommen. Nun brennt da nur mal das Rathaus ab und plötzlich sind sie alle wieder da. Wie wachgeküßt durch die Katastrophe. Ich wünschte, das würde so bleiben." Waltraut Wimmer schmiegte sich an die breiten Wikingerschultern ihres Mannes und schluchzte herzzerreißend.

     "Ja, min Deern, Wetter und Unglück bringt die Menschen zusammen. So sagt man doch. Das ist es wohl, was mit uns allen passiert. Nun müssen wir sehen, das wir aus dem Nebel wieder herausfinden und daß von dem hier noch was übrig bleibt." Er umklammerte seine Waltraut noch fester und schaute gerührt auf die versammelte Menge:

     "Frau Weishaupt, was ist nun? Wir schmeißen eine Runde Heidegeist für alle und Kakao für die Kids. Das schafft doch die richtige Stimmung für so ein Gedicht, oder? Herr Dittmer, geben Sie ihr doch einen kleinen Schubs."

     Der verhaltene Flüsterton, der den Austausch der Gedanken beherrscht hatte, wandelte sich schlagartig in laute Beifallsbekundung. Alle Augenpaare wanderten erwartungsvoll zu Florentine. Lautes Klatschen drängte sie zum Beginn. Florentine Weishaupt schaute nachdenklich in die Runde, dann zu den Wimmers, die noch immer in inniger Umarmung vor der Kuchentheke standen. Waltraut Wimmer nickte ihr bittend zu. "Fast flehend", wunderte Florentine sich. Tatsächlich hatten Hesses Worte den Menschen in Geesthsedere etwas Kostbares zugetragen. Sie fühlten im erwachenden Bewußtsein, im Begreifen des Nebels, einander unerwartet tief verbunden. Könnte es gelingen, dieses Empfinden wachzuhalten und den Nebel aufzulösen, barg sich die Chance, für das dörfliche Miteinander ungeahnt neue Perspektiven zu entwickeln. "Könnte", schoß es Florentine durch den Kopf. Das Entsetzen barg spürbar das Potential zu neuem Aufbruch unter den Geesthsederern. So, als ob sich ein kollektives Unterbewußtsein auf seine Metamorphose vorbereitete. Manchmal gelingt es unvorhergesehenen Situationen, die Menschen in einem Anflug von prophetischer Erhabenheit zu fesseln. Bevor Florentine aufstand, mußte sie sich durch kräftiges Schütteln aus dieser emotionalen Fessel befreien, Rührung und Ergriffenheit abstreifen. Dann begann sie, in den verklingenden Applaus hinein zu sprechen.

Ruhig, gelassen und unsentimental:

 

"Hermann Hesse:

IM NEBEL

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den anderen,
Jeder ist allein.

 

 Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

 

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allem ihn trennt.

 

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.

 

Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein."

 

     Das lange Schweigen, das sich ihrem Vortrag anschloß, nutzte Florentine, um sich wieder an ihren Tisch zu Finn-Léon Dittmer zu setzen. Der grinste sieh an und nickte ihr anerkennend zu.

     "Ich glaube, wir erfahren hier gerade Kultur in ihrer reinsten Sendung. Oder ist das nun wieder zu laienhaft? Als ob die Leute und das Gedicht und ihre ganze Gedanken - und Seelenwelt symbiotisch verschmelzen. Geht auf jeden Fall ziemlich unter die Haut. Muß ich ja gestehen. Aber verstehen - tu´ ich es nicht."

     Florentine erwiderte seinen Blick:

     "Verstehen? >Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne<. Ihr müßt nur dafür Sorgen, daß das Feuer des Prometheus nicht wieder vollends erlischt. Es scheint doch gerade neu entfacht."

     "Ne, nun ist gut. Zuviel Bildung verwirrt nur."

     "Ich meine das ernst, Finn-Léon. Das da," sie deutete mit dem Kopf zu den Gästen, die inzwischen gedämpft, aber rege, das Gehörte diskutierten, "das da darf man nicht einschlafen lassen. Man muß es erkennen und nutzen. Nicht zu eigenen Zwecken, sondern im Sinne des Miteinanders oder der Gesellschaft. Wie auch immer. Da findest Du die Wurzel von Kunst und Kultur. Erlebtem oder Schicksalhaftem im Spiegel von Wort, Ton oder Kunst zu begegnen, das eigene von außen zu betrachten. Im eigenen Impuls. Im kleinen zunächst, nicht im Überladenen. Hier siehst Du die Keimzelle. Das ist nicht mit Unterhaltung zu verwechseln. Das sind völlig unterschiedliche Notwendigkeiten, die immer wieder in einen Topf geworfen werden. Es gibt keinen Rahmen für diese Art Kultur zu erleben und zu verinnerlichen. Die Kultur, die in Geesthsedere verordnet wird, ist eine Zwangsjacke, die alles erstickt hat. Ein Pfropf auf der Flasche. Hier siehst Du, was in Geesthsedere völlig eingeschläfert wurde. Ich sage bewußt: wurde. Die alte Liese hat gesagt: Er versteckt etwas, der Nebel... Schau hin."

      Bertram Wimmer schlug ein Mokkalöffelchen einige Male gegen sein Glas. "Liebe Frau Weishaupt, liebe Leute. Das ist ein berührendes Erlebnis heute mit euch. Danke, Florentine. Laßt uns anstoßen, darauf, daß das Leben zu uns zurückkehrt," Bertram Wimmer erhob sein randvoll mit Heidegeist gefülltes Schnapsglas, alle prosteten sich zu. Mit hellem Klang wurden die Gläser zueinander geführt.

     "Wollen wir nicht auch ein bißchen drüber sprechen?" Aus der Menge versuchte sich eine dünne Frauenstimme Gehör zu verschaffen. "Hallo, hört mir doch mal zu."

     "Leute, hallo, Leute! Swantje-Marie Meyer möchte etwas fragen. Seid mal etwas leiser. Wir wollen doch nicht gleich von einem Extrem ins andere fallen." Mit seiner sonorigen Stimme sorgte der Chef für Ruhe. "So Swannie, nun bist Du dran."

     "Ja hallo. Ich wünsche euch allen ein schönes, neues Jahr. Ich wollte fragen, ob wir nicht kurz über dieses Gedicht sprechen wollen. Ich bin da nicht so vorgebildet. Aber mich hat dieser Satz heute Morgen in der Zeitung ziemlich umgehauen." Eine spontane Woge der Zustimmung ebbte auf und entzündete bei Swantje-Marie, die nicht gewohnt war, vor vielen Menschen zu sprechen, ungekannten Mut. "Ja, danke. Das ist toll, daß ihr mich unterstützt. Also, daß wir bis auf Neujahr seit Tagen diesen fürchterlichen Nebel haben, wissen wir alle. Und daß wir uns durch die Gegend schleppen, ohne was zu sehen, das geht uns allen so. Aber heute morgen habe ich mir, als ich die Schlagzeile gelesen habe, erst mal gedacht: Was soll das? ist doch klar, daß es komisch ist, in dem Nebel zu leben. Merken wir doch alle und ist auch nicht neu, daß er ziemlich gruselig von den Seeve-Auen zu uns heraufkriecht. Dann bin ich über dieses alte Wort wandeln gestolpert. Das habe ich dann mal gegoogelt. Im Nebel wandeln, das war dann plötzlich nicht nur, sich im Nebel auf der Straße unsicher fortzubewegen, sondern sich im Nebel, auch zu ändern. Also zu verändern, zu verwandeln, während man das, was um einen herum ist, gar nicht so richtig sieht. Das sieht man ja erst, wenn der Nebel wieder weg ist. Ich wollte mal fragen, ob das total dumm ist. Oder ob in so einem Gedicht auch etwas ganz anderes angedeutet wird, als die Worte eigentlich sagen. Ääääh. Ist das jetzt ganz blöd?"

     Das Schweigen, das Swantje - Marie nach ihrem kleinen Vortrag entgegenschlug, machte sie unsicher. Sie spürte, die Röte, die ihr ins Gesicht stieg. Ihr Herz pochte bis in den Hals hinauf. Sie hätte sich am liebsten im nächsten Mäuseloch verkrochen. Wo aber wäre es zu finden? Hätte sie doch bloß nicht so viel gewagt. Hätte-hätte-Fahrradkette. Das kannte sie doch. Swantje-Marie schämte sich vor den anderen. Da war man Ehefrau und sogar Mutter und fühlte sich immer wieder, wie ein kleines Schulmädchen. Langsam sank sie in ihren Cocktailsessel zurück.

     "Danke Swantje-Marie. Ich glaube, wenige von uns, die sich da nicht so richtig auskennen, finden den Mut, daß auch noch vor den andern so zu outen. Also ich gestehe gleich, mir geht es ganz genauso. Ich habe da weder Ahnung noch Durchblick. Ich bekomme da von Florentine immer wieder einen Seitenhieb mit wohlgemeinter Nachhilfestunde. Aber sich plötzlich und unerwartet mitten in diesen Worten, in dieser Sprache wiederzufinden, das ist ein ziemlich geiles Erlebnis für mich. Kann ich leider nicht anders ausdrücken. Ich bin nicht Hesse."

     Swantje-Marie Meyer schaute voller Dankbarkeit zu Finn-Léon Dittmer hinüber, der von der gegenüberliegenden Seite des Cafés aus gesprochen hatte. Alle nutzten die Pause, um Finn-Léons und Swantje-Maries Worte bekräftigend zu unterstützen. Als die Zwischenrufe verhallten, setzte Finn-Léon seine kleine Ansprache fort.

     "Ja, ich sehe Swantje und ich sind da nicht allein

als Kulturbanausen unterwegs. Obwohl wir doch DER Kulturort der Nordheide sind." Vergnügtes Lachen und Applaus ebbten auf. "Und doch haben uns Dichterworte gerade alle hier zusammengetrieben. Das spricht für uns. Ich glaube, es war sehr durchdringend, was Swantje gerade gesagt hat. Es geht nicht nur um das Wetterphänomen. So einem Dichter gelingt es, in ein paar Worten und Sätzen Bilder zu erzeugen und zusammenzufassen, was dem einen mehr, dem anderen weniger, immer wieder durch den Kopf geht. Wir suchen es in Worte zu fassen, was wir ahnen oder fühlen. Aber weil wir uns nicht so literarisch ausdrücken können, weil wir immer nur direkt aussprechen können, was wir so denken oder was uns bewegt, machen wir uns als Einzelperson angreifbar. Es gelingt uns nicht, unsere Sprache zu steuern. In den Worten des Dichters finden alle zusammen, plötzlich sitzen wir alle hier. Das ist ein atemberaubender Moment. Wahrscheinlich suchen wir schon lange nach den passenden Worten, die uns alle zusammenführen könnten. Wenn das Kunst ist, dann bin ich dabei. Dann fange ich an, ihre Kraft zu erkennen. Dann soll Geesthsedere in der Kunst seine Zukunft sehen. Um uns zusammenzuführen, um uns in ihrer eigenen Sprache alle zu erreichen, damit wir zusammenfinden."

 

     "Geht mir genauso, Herr Dittmer. Danke. Dann sage ich euch jetzt mal, an was ich alles gedacht habe, als ich heute morgen meinen alten Gedichtband aus der Schule rausgemölt habe. Jetzt beim Vorlesen, habe ich es noch mal genauer gehört. Nun traue ich mich auch mal. Ich verstehe das so, daß auf der einen Seite, der ganz normale Nebel ist, so, wie er uns seit Tagen auf den Nerv geht, andersrum ist da das, was Svennie gesagt hat. Also, daß man irgendwo im Dunkeln rum läuft und sich, wahrscheinlich auch aus Angst oder weil man plötzlich Dinge anders erkennt oder wahrnimmt, so wie ein Blinder, wandelt, verändert. Ich sag mal so, dann kann doch Nebel auch sowas wie Irrtum bedeuten und wenn man den Irrtum nicht einsieht, oder ihn überhaupt nicht sieht, dann macht man im Nebel immer weiter und weiß nicht, warum alles irgendwie nicht rund läuft."

 

     "Ungewissheit oder Unbewusstheit"

 

     "Verlorenheit"

 

      "oder Einsamkeit."

 

     "Ja, genauso meine ich das. Danke euch. Ja, und, also, ich weiß nicht, wie ich das jetzt sagen soll. Also nicht lachen Leute. Ich habe mich den ganzen Tag gefragt, ob das alles was mit uns hier in Geesthsedere zu tun hat. Also, ob wir hier nicht alle irgendwie im Nebel leben und nicht so richtig wissen, was wirklich läuft. Wir sind doch irgendwie ausgeliefert. Da sollen 10 Würfel aufgestellt werden und keiner von uns, also die meisten von uns, denke ich, verstehen überhaupt nicht, was das soll. Also sind auch die Würfel Nebel für mich. Wenn das in meinem Dorf steht und so viel Geld kostet, möchte ich wissen warum. Ist es Nebel oder bringt es mich weiter, hin zu euch vielleicht. Was oder wie wäre es eigentlich, wenn der Nebel mal weg wäre. So denke ich das. Wir fühlen uns alle einsam, das war früher nicht so. Jetzt sitzen wir plötzlich alle so zusammen, weil Brettschneider ´n paar Worte in die Runde geschmissen hat. Das ist doch irre und irgendwie auch bannig schön gerade. Also... meine Meinung,  meine ich...so." Während Hinnerk Meyer sich in den Sessel unmittelbar neben seiner Frau plumpsen ließ, erhob sich tosender Applaus.

     "Kneif mich mal, Berti, passiert das alles gerade hier bei uns?" Waltraut streckte den linken Arm nach ihrem Mann aus. Sie griff ins Leere. Unbemerkt hatte sich Bertram Wimmer in sein Büro zurückgezogen, um seiner Erschütterung Herr zu werden.

     "Omimi, da ist niemand. Opa hat sich gerade eben verkrümelt. Ich glaube, er heult ein bißchen." Svenja Wimmer streichelte ihrer Großmutter die Wange. "Setzt Dich mal hierher. Ich glaube, hier passiert gerade Geschichte. Oder wie man das sagt. Und das bei meinen Großeltern. Mega..wauuu."